18
Nov
12

Irgendwas ist immer…

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Den allgemeinen Konsens, ein neueres Auto wäre ein Garant für sorgenfreieres Leben, hatte ich schon vor Jahren berechtigten Zweifeln anheimfallen lassen.

Natürlich, auf der Komfortseite hat sich einiges getan. Wo ich früher einen rauhen, lauten (immerhin) Turbodiesel per Handschaltung befehligte, beim Radio die Wahl zwischen Rauschen und Welle Nord hatte, die Lüftung mir jedesmal undefinierbare Krümel ins Gesicht blies und die Mechanik alle 7500 Kilometer nach neuem Öl und Filter rief, da sitze ich heute klimaautomatisiert, wähle nach Belieben aus einer dynamisch aktualisierten Senderliste, lasse die computergesteuerte Automatik den korrekten Gang wählen und wenn neues Öl fällig sein sollte, meldet sich das Fahrzeug tatsächlich selbst.

Ich wäre der letzte, der sich über solche hilfreichen Handreichungen beschwert, dennoch ziehe ich mittlerweile die Erkenntnis, dass diese Vorteile mit Demut erkauft werden müssen.

Demut darüber, dass ich hilflos aufgeschmissen bin, wenn die Klimaautomatik den Dienst verweigert, weil man a) einem bockigen Computer nicht einfach einen trockenen Klaps verpassen kann und b) zum hypothetischen Klapsen erstmal durch Schichten und Aberschichten von Abdeckungen und Dämmmaterial wühlen muss.

Demut darüber, dass eine dynamische Senderliste nur mehr Möglichkeiten bietet, denselben glattgelutschten Formatmist auf mehreren Sendern erdulden zu müssen.

Demut darüber, dass seltenere Servicetermine zwar oberflächlich Geld sparen könnten (es werden schließlich weniger Öl und Filter benötigt), diese Einsparung aber für teurere Materialien und mehr Arbeitswerte aufgefressen wird, weil sich die Mechaniker auch erstmal durch Schichten und Aberschichten von Abdeckungen und Dämmmaterial wühlen müssen.

Der Demut der kapriziösen Kraftübertragung versuche ich gerade, aus dem Weg zu gehen. Da muss ich jetzt etwas ausholen: In einem Technologietransfer hat BMW in den 90er Jahren Dieselmotoren bei GM (sprich Opel) gegen Automatikgetriebe getauscht. So kam es, dass es das Paket BMW-Diesel mit GM-Automatik nicht nur im 5er, sondern auch im Opel Omega gab. Soweit, so gut. Der Knackpunkt kommt jetzt: Während GM der eigenen Automatik definierte Wartungsintervalle verpasste, bei denen Öl und Filter zu wechseln sind, ersann man bei BMW das Konzept der Lebenszeitfüllung. Man nimmt also ein Getriebe eines anderen Herstellers, packt (zumindest zu Anfang) ein anderes Öl rein und sagt dem Kunden (und der Werkstatt), dass da künftig die Finger von zu lassen sind.

Der Kunde macht damit auf lange Sicht die Erfahrung, dass dies nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Gerade mit den knackigen Drehmomenten der großen Diesel zerreibt sich das Öl dann doch irgendwann, worauf das Getriebe erst mit leichten Bockigkeiten und letzten Endes mit Ausfall reagiert. Und dann wird’s richtig teuer.

An dieser Stelle kommt der alerte Kunde (und anpassungsfähige Werkstätten) ins Spiel. Mal eben über den Zaun gespäht und festgestellt, dass man sehr wohl das Öl und den Filter wechseln kann – und auch sollte. (Interessant an dieser Stelle, dass auch BMW den Filter samt notwendigen Dichtungen auf Lager hat.)
Erschwert wird das Ganze dadurch, dass man heutzutage bei Automatikgetrieben gerne mal den Ölpeilstab weglässt, weil der unwissende Kunde da zum einen meist Mist misst und zum anderen auch jede Menge Dreck einbringen kann. Dem verantwortungsbewussten Kunden nimmt man damit allerdings auch die Möglichkeit, den Füllstand des Getriebes ohne Werkstattausstattung zu prüfen und zu korrigieren.

Zum Prüfen muss man jetzt nämlich bei laufendem Motor alle Gänge durchschalten und eine Kontrollschraube öffnen, aus der dann ATF austreten muss. Heißt also: Bühne (oder Grube), Auffangmöglichkeit und Pumpe/Spritze, mit der man den (teuren) Schmodder sauber ins Getriebe reinjaucht, während alles wieder rausläuft sowie eine dritte Hand, die dabei dann noch schnell die Schraube wieder reindreht. Ach ja, das Getriebe darf dabei eine Temperatur zwischen 30° und 50° C haben, alles andere verfälscht das Ergebnis. Und die Unterbodenverkleidung muss auch runter…

Und das war nur das Prüfen. Das Wechseln wird (dank fehlender Ablassschraube für den Wandler) noch diffiziler. Aber dazu kommen wir wahrscheinlich in den nächsten Monaten.

Am Ende ist man auf jeden Fall ölgeduscht, stinkt nach ATF (ungefähr schimmliger Himbeersaft) und hat festgestellt, dass der defekte Ausgangswellendichtring gar nicht soviel Öl hat austreten lassen, um die Sauerei zu rechtfertigen.
Wenigstens habe ich bei der Gelegenheit auch noch die Kurbelgehäuseentlüftung von Filtervlies (siehe schwarze Masse) auf Zyklonabscheider umgerüstet. Damit sollten die Rußexzesse beim Kickdown etwas geringer ausfallen.

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Weitere Erkenntnisse: der Fahrschemel vorne ist ziemlich schusssicher, aber auch grobschlächtig aus Vierkantrohren zusammengebraten. Das macht mir jetzt schon Angst für die anstehende Fahrwerksrevision. Man kommt nämlich auch nirgendwo mit Händen oder Werkzeug dran.


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